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Ricardo am Mikrofon

Ricardo Reimer Wiebe berichtet zum Internationalen Tag des Radios aus vier Jahren Erfahrung

Original Abdruck – Diepholzer Wochenblatt

Jeder hat es wohl schon einmal erlebt: Man schaltet das Radio ein und es läuft einfach nicht die Musik, die man gut findet. So muss es wohl auch Ricardo Reimer Wiebe damals gegangen sein. Das besondere, was bei ihm dazukam: eine Menge Pioniergeist. Wiebe hat 2014 mit gerade einmal 16 Jahren in Diepholz das Internetradio YourTime-FM gegründet. Zum gestrigen Internationalen Tag des Radios berichtet er von den Erfahrungen, die er in bald vier Jahren eigenem Radiobetrieb gemacht hat. Die Idee mit dem Radio entstand vor allem aus Wiebes Interesse und Zuneigung zu Technik. „Ich informiere mich regelmäßig über die neuesten Trends und probiere auch einiges aus“, so der heute 19-jährige Diepholzer. Neben seinem großen Interesse an Castings und Talentshows faszinierte ihn auch früh die Welt des Radios. Seiner Generation entsprechend fand er den Anschluss an die Radiowelt jedoch nicht vor dem Küchenradio mit UKW- Empfang, sondern im Internet. Dort gibt es bereits seit vielen Jahren Sender, die ausschließlich als Internetradio fungieren und nur dort über den Internetbrowser zu erreichen sind. Hier fand Wiebe schnell viele Gleichgesinnte und probierte sich selbst bei einigen Internetradios, unter anderem auch als Moderator, aus. Jedoch konnte er sich mit vielen Sendern nicht anfreunden, erzählt er heute. „Die Radioszene ist hart und nicht alle meinen es wirklich ernst.“ Und so entschloss er sich kurzerhand am 1. September 2014, selbst einen Radiosender in Diepholz zu starten. Mit aktuell zwei weiteren Freunden stemmt er seitdem den ganzen Sendebetrieb. Das nötige Wissen hierzu erwarb Wiebe während eines Praktikums bei einem Radiosender. Oder er eignete es sich schlichtweg einfach selbst an. Nun fungiert er bei YourTime-FM als Projektleiter und koordiniert den Sender. Über die Plattform laut.fm übertragen die drei Freunde 24 Stunden am Tag ihr Programm. Der Kostenaufwand ist dabei gering. Die Plattform übernimmt alle anfallenden Kosten, die bei der Verwertung kommerzieller Musikstücke anfallen. Im Austausch dafür schaltet sie Werbung in den einzelnen Sendungen. Das nehmen die Macher von YourTime-FM jedoch gerne in Kauf. Und scheinbar auch die Zuhörer. Ihre Anzahl schwanke zwar stark, während Live-Sendungen würden jedoch regelmäßig hohe Zuhörerzahlen erreicht, so Wiebe. Musikalisch deckt YourTime-FM die gängigsten Genres unter jungen Leuten ab: Charts, 2000er, Rap und Newcomer. Mit diesem Mix kommen sie dabei gut an. So konnten die drei Radiomacher schon einige Erfolge feiern. Beispielsweise wurden sie einmal zu einem Konzert des Musikers Daniele Negroni, der unter anderem über „Deutschland sucht den Superstar“ oder das aktuelle „Dschungelcamp“ bekannt geworden ist, in Hohenhameln bei Hannover eingeladen. Dort führten sie Interviews, die sie später über YourTime-FM ausstrahlten. Darüber hinaus produzierten sie mit „Fett Alda, was los?“ auch eine eigene Single, die sich nun im Internet anhören lässt

Autor Diepholzer Wochenblatt – Luka Spahr

All dies kostet jedoch neben viel Motivation vor allem auch viel Zeit. Wiebe erzählt: „Der Zeitaufwand ist enorm. Ich investiere wirklich jede freie Sekunde in dieses Radioprojekt. Playlisten aktualisieren, neue Formate planen oder das Team managen sind nur einige meiner Aufgaben. Natürlich moderiere ich auch, wenn es die Zeit zulässt.“ Die Zeit ist bei dem Diepholzer Jugendlichen jedoch knapp. Nach seiner schulischen Laufbahn stieg er nicht etwa in das Radio-Geschäft ein. Mit einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann will er sich derzeit erst einmal eine berufliche Absicherung für die Zukunft holen. Wie es nach der Ausbildung dann weitergeht, wird sich zeigen. „Pläne und Visionen für die Zukunft von YourTime-FM gibt es viele“, so Wiebe. „Zum Beispiel ist es aktuell unser größtes Ziel, ein größeres Team zu bekommen, damit noch mehr Programm angeboten werden kann. Aber auch an der Erhöhung der Reichweite arbeiten wir fleißig.“ Wiebe und seine Freunde sind dabei neben Hörern auch immer auf freiwillige Mitarbeiter angewiesen, die ihre Freizeit für ihr Hobby einsetzen möchten. Denn die Radiomacher hätten einen wichtigen Job, unterstreicht Wiebe zum Internationalen Tag des Radios am 13. Februar: „Das Medium Radio ist auch in der heutigen Zeit ein wichtiges Informationsmittel. Durch die Vielfalt der ganzen Radiosender – sei es der normale Rundfunk oder auch das Internetradio – sollte eigentlich jeder den passenden Sender für sich finden. Ich persönlich finde es gut, dass es einen Internationalen Tag des Radios gibt. Dadurch wird die Leistung aller Radiomacher gewürdigt.“